Das Arbeitszeugnis und die geheimen Codes

ArbeitszeugnisDas Arbeitszeugnis ist nicht nur eine Leistungsbeschreibung des ehemaligen Arbeitgebers, sondern auch ein wichtiger Bestandteil für die Bewerbung beim nächsten Arbeitgeber. Jeder Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf ein wohlwollend formuliertes Zeugnis.

Je besser dieses Zeugnis ist, umso höher sind die Chancen, die Karriereleiter beim nächsten Arbeitgeber nach oben zu klettern. Die Gehaltsverhandlungen werden ebenfalls von einem positiven Zeugnis beeinflusst.
Manche Arbeitnehmer wehren sich regelmäßig gegen Zeugnisse, die ihrer Meinung nach nicht der Wahrheit entsprechen.

In Deutschland gilt seit 1963 die Rechtsprechung, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, das Zeugnis nicht nur der Wahrheit entsprechend, sondern auch mit verständigem Wohlwollen zu verfassen (§ 109 Abs. 2 Satz 2 GewO).
Viele Arbeitgeber bedienen sich daher spezieller Formulierungen, um dem zukünftigen Arbeitgeber einen versteckten Hinweis zukommen zu lassen.

Die Codes und ihre Bedeutung

Manche Arbeitszeugnisse enthalten Hinweise und Codes, die man auf den ersten Blick nicht so einfach erkennen kann. Zwischen der Formulierung „hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt“ und „hat sich bemüht, die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen“ liegen Welten. Während die erste einer 1 entspricht ist die zweite Formulierung eine glatte 6.

Weitere Formulierungen und Codes finden Sie unter folgenden Links:
arbeitszeugnis-info.de und arbeitszeugnis.de

Wer in seinem Zeugnis Hinweise findet, die seiner Meinung nach nicht zutreffen, sollte zuerst das Gespräch mit seinem Ex-Arbeitgeber suchen. Meist lassen sich so schon Missverständnisse ausräumen. Wenn das nicht funktioniert sollte man zeitnah rechtliche Schritte einleiten, da sonst angenommen wird, dass man das Zeugnis in seiner vorliegenden Form akzeptiert.

Arbeitszeugnisse einfach erstellen

Für Arbeitgeber gibt es Internetseiten, die das Erstellen eines Zeugnisses mit Hilfe von Mustervorlagen sehr erleichtern. (zum Beispiel arbeitszeugnisgenerator.de oder auch arbeitszeugnis-info.de) und Programme, die rechtssichere Zeugnisse aus Textbausteinen erstellen. Diese Bausteine sollten aber nicht eins zu eins übernommen werden, sondern lediglich als Vorlage dienen.

Gesetzliche Regelungen

  • Das Arbeitszeugnis muss grundsätzlich vom Arbeitnehmer abgeholt werden. Wenn es der Chef aber per Post verschickt muss er auch Ersatz leisten, wenn es auf dem Postweg verloren geht oder beschädigt wird.
  • Der Chef ist verpflichtet, das Arbeitszeugnis nach Beendigung der Arbeit auszustellen. Wenn er es jedoch auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht aushändigt, kann der ehemalige Arbeitnehmer Schadenersatz fordern, wenn er dadurch eine neue Stelle nicht bekommt. Er muss jedoch beweisen können, dass es an dem fehlenden Zeugnis lag, um Schadenersatz zu fordern.
  • Ein Anspruch auf ein Arbeitszeugnis besteht nur bis zu maximal einem Jahr nach Beendigung der Tätigkeit. Danach ist es einem Arbeitgeber nicht mehr zuzumuten, ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen.
  • Zeugnisse müssen auf Geschäftspapier von guter Qualität in Maschinenschrift geschrieben werden. Auch Hervorhebungen wie z. B. Unterstreichungen, fettgedrucktes, Ausrufe- oder Fragezeichen sind nicht gestattet.
  • Das Zeugnis ist sollte immer auf den letzten Arbeitstag datiert sein, wenn es nicht erst nach dem Ausscheiden eingefordert wird. Andere Datumsangaben könnten negativ ausgelegt werden.

Manche Chefs lassen ihre ausscheidenden Mitarbeiter das Zeugnis selbst entwerfen. Das ist nichts ungewöhnliches und schützt beide Seiten vor eventuellen Streitigkeiten. Wenn möglich sollten Sie sich dabei von einem Profi unterstützen lassen.
Weitere Tipps dazu finden Sie hier.

Bild: hogapr


Kommentare

Das Arbeitszeugnis und die geheimen Codes — 2 Kommentare

  1. Leider hat es sich inzwischen auch eingebürgert, dass viele Firmen sehr viel Eigenwerbung ins Arbeitszeugnis reinschreiben. Kürzlich hatte ich eins in der Hand, dass demjenigen eigentlich eine 1 verspricht. Das waren glatte 3 Sätze. Die restlichen 2 DIN-A4 Seiten waren nur Werbung der Firma, fand ich nicht so toll

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